Veranstaltungsberichte

Jahrestagung des Landesverbandes Landwirtschaftlicher Fachbildung in Niedersachsen e.V. vom 05.05. bis 06.05.2011 in Visselhövede

Thema: „Landwirtschaft zwischen Region und Globalisierung"

Der Landesverband Landwirtschaftlicher Fachbildung Niedersachsen führte die Jahrestagung des Bundesverbandes Landwirtschaftlicher Fachbildung als Ausrichter in Visselhövede durch. Anlässlich der Vortragstagung begrüßte der Präsident des vlf -Bundesverbandes, Gerhard Eimer, 60 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In den Vorträgen ging es um die Landwirtschaft im Spannungsfeld unserer Gesellschaft, den Lebensmitteleinzelhandel zwischen globalem Handel und regionaler Erzeugung.
Steht das erneuerbare - Energie-Gesetz (EEG) im Widerspruch zur globalen Landwirtschaft? Diese vorher genannten Themen wurden durch namhafte Referenten/innen den Tagungsteilnehmern/innen interessant vorgetragen.
Am zweiten Tag fanden sehr interessante Exkursionen in der näheren Umgebung von Visselhövede zum Thema Landwirtschaft zwischen Region und Globalisierung statt.

Nun zum Thema des Festabend´s „Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Landwirtschaft wird ständig nachgefragt."
Der alte Spruch, dass der dümmste Bauer die dicksten Kartoffeln hat, traf noch nie richtig zu. Erst recht nicht in der heutigen schnelllebigen Zeit, der globalen Welt mit Katastrophen, Ernährungsproblemen sowie ständigen neuen EU-Vorschriften für die Agrarwirtschaft, neuen Anbaumethoden einer immer sich weiterentwickelnden Agrartechnik, so kommt es für erfolgreiche Landwirte darauf an, sich ständig fachlich weiter zu bilden und lebenslanges Lernen zum Lebensinhalt zu machen.
Diese Aufgabenstellung erkannten schon vor über sechzig Jahren ehemalige Fachschüler der Landwirtschaftsschulen und gründeten den Bundesverband Landwirtschaftlicher Fachbildung e.V. (vlf).
Die diesjährige Jahrestagung des Verbandes fand im Hotel und Tagungszentrum Sonnentau in Visselhövede ihren Abschluss.

Vielfachkompetenz an einen Tisch: Von links, Umweltminister Hans-Heinrich Sander, der ehem. Niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen und der Landvolk-Präsident Werner Hilse.

Der Bundes- und Landesvorsitzende des Verbandes, Gerhard Eimer, konnte gut hundert Gäste und Tagungsteilnehmer sowie Ehrengäste aus der gesamten Bundesrepublik begrüßen.
Der Landvolkpräsident, Werner Hilse, ließ es sich nicht nehmen, die Tagungsteilnehmer persönlich zu begrüßen. In seinen Grußworten fand er deutliche Worte zur aktuellen Situation der Landwirtschaft aus politischer Sicht.
Zitat: „Wir haben aufregende Zeiten auf der Welt und große Herausforderungen bei steigender Bevölkerung zu bestehen. Die Landwirtschaft muss sich ständig auf neue Rahmenbedingungen und laufende Veränderungen einstellen. Es gilt immer offen, für die Realitäten, zu sein. Diesen Blick für die Realität, für das Machbare, für die notwendigen Entscheidungen im Betrieb wünsche er sich auch für die Politik. Es ist ein Irrglaube, wenn die Politik denkt, mit Blick auf die angestrebte Energiewende, behaupten zu können, dass man ein drittel der bestellten Ackerfläche für Energiepflanzen, überwiegend Mais, einsetzen kann. Die Landwirte schaffen es schon jetzt nicht, einen Selbstversorgungsgrad von 100% in der Nahrungsproduktion zu erreichen."
Werner Hilse prognostiziert eine ertragsschwache Ernte in diesem Jahr weltweit. „Wenn wir Deutschen und wir Europäer dann auch noch auf dem Weltmarkt den ärmeren Ländern die Nahrungsmittelrohstoffe wegkaufen, fragte der Landvolkpräsident, wie soll das gehen?" Die weltweite Nahrungsmittelknappheit werde sich auch auf den hiesigen Binnenmarkt auswirken. Die Politik sei gut beraten, sich endlich Rat bei den Experten und Fachleuten der Landwirtschaft zu holen.
Die Landwirtschaft hat sich schon in der Vergangenheit flexibel gezeigt und sei innovativ und kreativ gewesen. Fortbildung und Weiterbildung, wie sie von dem Verein landwirtschaftlicher Fachbildung angeboten wird, ist deshalb mehr denn je gefragt.

Diese Aussage spiegelte sich auch im Grußwort der stellvertretenden Landesvorsitzende der Landfrauen Niedersachsen, Christiane Buck, wieder. Lebenslanges Lernen ist zu verinnerlichen, speziell auch für die Landfrauen, die zu einem nicht unerheblichen Teil zum Betriebseinkommen der Höfe beitragen, z.B. durch die Direktvermarktung, Ferien auf dem Bauernhof und vieles mehr.
Globalität brauche aber auch Regionalität und starke ländliche Räume, so Frau Buck. Landfrauen bringen sich neben ihrer eigenen Fort- und Weiterbildung deshalb immer wieder durch eigene Aktivitäten in ihrer Region ein. Dazu gehören nicht nur Tagungen, wie diese in Visselhövede, so Christiane Buck.
Rotenburgs Landrat, Herr Luttmann, bedankte sich bei Gerhard Eimer, dass er die Bundestagung seines Verbandes in den Kreis Rotenburg gelegt hat. Auch er wies, wie Werner Hilse, auf das Thema Biogasanlagen hin. Auch der Landkreis Rotenburg mit 125 genehmigten Anlagen ist neben dem Nachbarkreis, dem Heidekreis, eine der stärksten Biogas-Regionen in Deutschland. Der Landkreis wird an seiner bisherigen Genehmigungspraxis festhalten, so Herr Luttmann. Der Landrat äußerte sich auch deutlich zu der in bestimmten Bevölkerungskreisen umgehenden Kritik an der Landwirtschaft, speziell zum Bau großer Stallanlagen. Diesen Leuten muss man sagen, dass es heute 300 Kühe in einem ordentlichen, offenen Laufstall besser geht, als früher 30 Kühe in einem alten Anbindestall.

Wie heute in der hiesigen Region die Landwirte wirtschaften, konnten die Tagungsteilnehmer auf verschiedenen Exkursionen kennen lernen.
Bei seinem Festvortrag bekannte sich Umweltminister Hans-Heinrich Sander für eine Umweltpolitik mit Augenmass und erklärte, dass er auch im Naturschutz und Umweltschutz seiner bisherigen Linie treu bleiben werde. Naturschutz und Umweltschutz kann die Landesregierung nicht gegen Grundeigentümer und Landwirte erfolgreich verwirklichen, sondern nur mit ihnen zusammen. Der eingeleitete Vertragsnaturschutz hat sich als erfolgreiches Modell bewiesen, obwohl er anfangs von Berufskollegen der Landwirtschaft dafür belächelt worden ist. „Noch entscheiden wir und besonders die Parlamente und nicht die Verbände."

Danach erfolgte die Überreichung der Theodor Hensen Medaille für besondere Dienste um den Verband der Landwirtschaftlichen Fachbildung, durch den Präsidenten Herrn Eimer, an Herrn Minister a.D. Hans-Heinrich Ehlen.

Der Präsident des Bundesverbandes Gerhard Eimer überreicht die Urkunde zur Theodor-Hensen-Medaille an Landwirtschaftsminister a. D. Ehlen.

Fazit dieser sehr interessanten Bildungsveranstaltung ist:

Die Weiterbildung und das lebenslange Lernen stehen, somit im Kontext zu den ständigen Veränderungen im Betrieb. Ohne Angebote zur Bildung und Weiterbildungen wären die Menschen jeder von uns vernachlässigt.

Selbst organisiertes Lernen, sowie es in den Vereinen und Verbänden praktiziert wird, trifft die Bedürfnisse und die Ansprüche der Mitglieder und Kunden am besten. Die Kooperation mit Verbündeten wird in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Der Bundesverband und die Landesverbände stellen sich neuen Lern- und Entwicklungsprozessen. Eine kreative Unruhe ist hier immer sehr nützlich. Verbandsarbeit ist nichts statisches, sie muss flexibel, schnell und kompetent auf die politischen und fachlichen Veränderungen reagieren. Auch sind Leitbilder den ständigen neuen Herausforderungen anzupassen. Dabei müssen Fragen, was können wir wie vermitteln? Und was können wir anders oder besser machen? Diese Fragen müssen immer wieder neu gestellt werden. Bildungsangebote sind unabhängig von den Arbeits- und den Berufserfordernissen zu erstellen. Mitarbeiter/innen in den Betrieben sind ein Leben lang mit Bildung zu begleiten. Bildungsangebote sind auch nach Feierabend, an Wochenenden oder im Urlaub anzubieten. Die Bildungsangebote sind ein ganzes Jahr und ein Leben lang vorzuhalten. Die vorher genannten Anforderungen an die Bildungsangebote stellen aber auch große Anforderungen an die vorhandenen Bildungsreinrichtungen im ländlichen Raum. Auch diese Bildungseinrichtungen müssen sich den neuen Anforderungen und Erfordernissen der Bildungswilligen im ländlichen Raum stellen.

Die Welt ist im Wandel - der Mensch rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Diese Tatsache rückt immer mehr in den Mittelpunkt unseres Handelns, wenn es um die Bildungsarbeit in den ländlichen Regionen geht.

Die vlf-Jahrestagung wurde aus Mitteln der Rentenbank gefördert.

Fotos: H. Wehler

gez. Bathge